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A
>Lit.1

Helmut Jäger

Methodisches Handbuch für Heimatforschung in Niedersachsen

Veröffentlichungen des Institutes für historische Landesforschung der Universität Göttingen

Band1

August Lax Verlagsbuchhandlung; Hildesheim 1965

-RZ-

>Lit.2

Wilhelm Bornstedt

Geschichte des braunschweigischen Bauerntums

Ein Beitrag zur Rechts-, Sozial- und Kulturgeschichte der ländlichen Bevölkerung in Südostniedersachsen in der vorindustriellen Zeit

Herausgeber: Landkreis Braunschweig

Denkmalpflege und Geschichte Heft 16; 1970

Bönecke-Druck - Clausthal-Zellerfeld

-RZ-

>Lit.3

Heinz Ziegler

Über alte Getreidemaße des niedersächsischen Raums

Braunschweigisches Jahrbuch Band 51, S 203 und folgende

Braunschweiger Geschichtsverein 1970

-RZ- 

>Lit.4

Bert Bilzer

Abriß der Münz- und Geldgeschichte des Landes Braunschweig

Arbeitsberichte aus dem Städtischen Museum Braunschweig, Nr. 35

 Braunschweig 1980

-RZ-

Abgaben

an den Landesherren (Herzog) sog Herrschaftsgefälle

Contribution (Steuern); Landschatz(eine Art Grundsteuer); Proviantkorngeld, Vogthafer (für das Pferd des Beamten), Vogtgeld (eine Abgabe für den Gerichtsschutz); Kleiner herrschaftliche Gefälle wie Gänse, Hühner, Eier (sog. Küchentermine). Hand- und Spanndienste (meist zwei Tage die Woche); 4 Tage Burgfesten; Erntebotengeld. Rauchgut: Abgaben aus den Höfen, in denen eine Feuerstelle rauchte.


den Zehntherren

Korn- und Fleischzehten. Der Kornzehnte wird vom Zehntmaler nach der Ernte durch Auszehnten bestimmt. Der Fleischzehnte z.B. jedes zehnte Lamm, eine Gans von einem Haufen, ferner ein Zehnthuhn

den Gutsherren
jährlicher Meirzins in Form von Getreide, Hühnern und Eiern. und auch sog. Hofzins.

Zu diesen Abgaben an den Landesherren, den Zehntherren und den Gutsherren kommen noch Verpflichtungen an die Kirche, den Pfarrer (z.B. Mistfuhren), den Lehrer und Opfermann, an die Gemeindehirten, Bedemund bei Hochzeiten, Weinkaufgeld beim neunjährigen Wiederbemeiern, Zweitbest beim Tode des Meiers und kleinere Gemeindeumlagen. Auch Kirche und Pfarre sind von den Gemeindegliedern in Bau und Besserung zu erhalten. Auch gehören Wegebau im Dorfe, Instandhalten von Brücken über Bäche hinzu.

-RZ-

Ablösung

Vorläufer:

Die französische Verwaltung schaffte in den deutschen Gebieten ziemlich radikal den größten Teil der Reallasten der bäuerlichen Bevölkerung zumeist ohne Entschädigung für die bisherigen Nutznießer ab.

 

Königreich Westphalen:

Mit dem Decret vom 28. Januar 1808 wurden alle aus der ehemaligen Leibeigenschaft herrührenden Lasten aufgehoben (z.B. Bedemund, Zweitbest etc.). Alle übrigen Verbindlichkeiten, die sich aus dem nutzbaren Grundeigentum ergaben, wie Zehnter, Geld- und Naturalleistungen, Hand- und Spanndienste wurden für ablösbar erklärt. In weiteren Decreten wurde die Ablösbarkeit je nach Art zum 16-, 20- oder 25fachen Betrage des jährlichen Durchschnittswertes für die Abgabepflichtigen festgelegt. -RZ-

Ackergüteklassen

Alle vor der Separation vorhandenen Wiesen, Änger, Äcker, Holzungen und Hausgärten wurden in 8 Wertklassen eingestuft, je nach Güte und Entfernung (Weg!) vom Dorfe.  Als Beispiel sei hier nur die Einstufung der Äcker angeführt:

 

          Äcker,          Klasse I         je          Morgen an Wert          160 Ggr.

          Äcker,          Klasse II        je         Morgen an Wert         145 Ggr.

          Äcker,          Klasse III       je         Morgen an Wert         130 Ggr.

          Äcker,          Klasse IV        je         Morgen an Wert        110 Ggr.

          Äcker,          Klasse V         je         Morgen an Wert           75 Ggr.

          Äcker,          Klasse VI        je         Morgen an Wert           45 Ggr.

          Äcker,          Klasse VII       je         Morgen an Wert           20 Ggr.

          Äcker,          Klasse VIII      je        Morgen an Wert            10 Ggr.

 

Diese "Bonität" wurde durch vereidigte "Taxatoren" je nach Lage und Bodengüte festgelegt.  Alle Hausgärten wurden zur Ackerklasse I gerechnet.  Je nach dem Anteil an der bisherigen "gemeinsamen Weide", die ja nun in Fortfall kam, wurde für jeden Viehhalter', auch die Kleinstbauern ohne vorheriges Ackerland., der Wert seiner Weideforderung in Geld festgelegt.  Wo Brinksitzer und Anbauern zu Weiderechten gelangt waren, wurden auch sie in die Neuverteilung mit einbezogen.  Alle diese Werte wurden nun für jeden einzelnen Dorfbewohner einzeln zusammengezählt und ergaben seinen Anteil am zukünftigen Grundbesitz.  -RZ-

Ackerhof, Ackermann

Ein Ackermann bewirtschaftete auf seinem Ackerhof in der Regel 4Hufen = 120 Morgen Land, das  einem oder mehreren >>Grundherren gehörte. Häufig werden für Ackerhöfe auch die Bezeichnung Vollspännerhof oder Vollmeierhof verwendet. >> Meierrecht.

Ein Ackermann hatte in der Regel 4 bis 9 Pferde. 4 Pferde waren zwei Gespanne.-RZ-

Allmende

Mittelhochdeutsch > was allen gemein ist<. In Westfalen und Niedersachsen der Teil der Gemeindeflur, der sich im Gemeineigentum der Dorfgenossen befand, gewöhnlich Weide, Wald und Ödland, von den Markgenossen zur Viehweide, Schweinemast, Holznutzung, Jagd und Fischerei genutzt. Die Allmende-Verfassung und die rechtliche Regelung der Allmende-Nutzung gehen z.T. bis ins 10 Jh. zurück. Seit dem 18. Jh. begann die Auflösung der Allmende ->>Separation

-RZ-

Amtshöfe

Die Amtshöfe waren Großwirtschaftshöfe des Landesherrn, auf denen die Bauern der umliegenden Dörfer ihre Hand- und Spanndienste ableisten mußten. -RZ-

Anbauer

>> Brinksitzer

Anerbenrecht

Im Anerbenrecht ist festgelegt, dass bei der Vererbung von Bauerngütern der nähere Nachkomme vor dem entfernteren, das männliche Geschlecht vor dem weiblichen, das höhere Alter vor dem geringeren den Vorzug hat.

Das Anerbenrecht wirkte der Zersplitterung der Bauerngüter entgegen. Es gab keine Erbteilung.-RZ-

Anger

Anger ist ungepflegtes Grasland, mit Gras, Klee, Kräutern, Büschen und Bäumen bewachsen. Bis zu den Verkoppelungen i. d. R. gemeinschaftlich genutzte Weiden (Gemeindeweide), auf denen die Berechtigten oft das Recht hatten, Bäume für den eigenen Bedarf zu pflanzen. In der Separation wurden die Änger nach Entwässerung i. d. R. zu Äckern umgewandelt, sofern es der Boden zuließ.-RZs-

Assecuranznummer

Ass-Nr. und Brand-Assecurations-Kataster: Sie wurden 1753 im Zuge der Generallandvermessung (GLV) eingeführt.

Auszehnten

Das Auszehnten nahm der Zehntmaler vor.

Aus diesem Anlaß musste das Getreide in Stiegen aufgestellt werden und der Zehntmaler behielt den Zehnten ein.

 -RZ-

Balken

In Querum als Flurname verwendeter Begriff für Wölbäcker.-RZs-

Baulehnung-Baulebung

siehe Meierrecht

-RZ-

Bedemund

Wollte ein Bauer heiraten, so bedurfte er, da er ja Unfreier war, der Zustimmung des Gutsherren, der die Erlaubnis nun wieder von einer besonderen Heiratsabgabe abhängig machte, dem Bedemund (beden = bitten).

-RZ-

Beke, Beeke

Ein Beke ist ein größerer Bach.-RZs-

Bleck, Bleek

 Ein Bleek ist ein  kleines Stück Land oder Wiese.-RZs-

Bonität

-> Ackergüteklassen

Brinksitzer

Der Name der Brinksitzer ergibt sich daraus, dass sie am Brink, d.h. am Rande des Dorfes, wohnten. Brinksitzer und sog. Anbauer kamen später als Ansiedler in die Dörfer. Sie hatten im allgemeinen keinen Feldbesitz, nur etwas Gartenland. Vielfach waren sie Tagelöhner oder kleine Handwerker, mußten aber auch einen Tag in der Woche (1722) mit der Hand für den Herzog dienen.-RZ-

Burgfesten

siehe Hand- und Spanndienste

-RZ-

Dienstgeld

siehe Hand- und Spanndienste

-RZ-

Erbzinsrecht, Erbzinsgüter

Neben den Meiergütern gab es schon früh die Erbzinsgüter. Das war meistens kleinerer Landbesitz bis zu einer Hufe Land. Dieses Land wurde gegen eine geringe, unveränderliche Anerkennungsgebühr (Geld, Naturalien oder beides) dem Bauern überlassen. Man nimmt an, dass die alten Litonenhöfe bei der Auflösung der Villicationen oft dieses Recht besessen haben. Es gibt aber auch Fälle, in denen alte Meierhöfe durch ausdrückliche Verleihung in Erbzinshöfe verwandelt wurden. Das Erbzinsgut besaß weit geringere Ackerflächen als ein großer Teil der Meierhöfe. Häufig besaßen Kothöfe das Erbzinsrecht.

Der Erbzinsmann hat an seinem Hofe und seinen Ländereien nicht nur von Anfang an (vor 1597) ein erbliches Nutzungsrecht, er konnte auch bauliche Veränderungen  vornehmen, ohne die Erlaubnis seines Grundherren vorher einzuholen. In dieser Beziehung bestand eine großer Unterschied zum Meierrecht. Auch fehlen im Erbzinsrecht Abmeierungsgründe. Der Erbzins an den Grundherren ist allgemein auch niedriger als der Meierzins. Das 6 bzw. 9 jährige Nachsuchen um die Wiedereinsetzung wie beim Meierhof entfällt beim Erbzinshof. Aber im Sterbefall muß bei Strafe des Verlustes des Erbzinsrechtes von den Erben binnen drei Monaten um Erneuerung der Einsetzung beim Grundherren nachgesucht werden. Neue Bedingungen dürfen dabei nicht aufgenommen werden. Der Grundherr darf die Erneuerung der Einsetzung auch nicht ablehnen. Beim Verkauf des Erbzinsgutes muß das Gut zuerst dem Grundherrn angeboten werden, er besitzt demnach ein Vorkaufsrecht. Macht er davon keinen Gebrauch, so erhält er 2% des Kaufpreises als laudemium (Lehngeld, Entschädigung an den Lehnsherrn).

Stirbt der Erbzinsmann ohne Erben, so fällt sein Hof zur freien Verfügung an den Grundherrn.

-RZ-

Erster Schlaf

Als ersten Schlaf beichnet man die Zeit vor Mitternacht; gelegentlich als Geburts- oder Sterbezeiten in Kirchenbüchern genannt.

RH

Exekutor

Eine ausführende Person, ein Vollstrecker, Eintreiber, Gerichtsvollzieher, Ausführer; auch Rächer, Hinrichter. Ausführend meint dabei auch die Ermittlung, Vollziehung, Beschreibung, Erzählung, Bestrafung usw.

 

RH

Feld

1. freies offenes Gelände im Gegensatz zum bebauten oder mit Wald bestandenen Flächen.

2. Ackerland einer Gemarkung (Feldmark, Flur, Ackerflur).

3. Abteilung der Dreifelderwirtschaft (Zelge). In der GLV waren die Felder nur Einteilungsbezirke der Äcker, die nicht unbedingt mit den Abteilungen der Dreifelderwirtschaft identisch waren.-RZs-

Feldmesser

Alte Berufsbezeichnung eines Vermessungsingenieurs nach der Fachrichtung (z.B. auch Markenmesser, Landmesser u.a.).

„Markscheider“  (der Vermessungsingenieur unter Tage).

-RZs-

Flächenmaße

Bis ins 18, Jh. beruhten die Maßzahlen bei Grundstücken nur auf Schätzungen. Es waren Augenmaßgrößen oder sie waren aufgrund der Einsaat-Ernteverhältnisse festgestellt. Die Größe eines Morgens konnte schon innerhalb einer Gemarkung schwanken. Erst im Zuge der Generallandvermessung im Herzogtum Braunschweig wurde ein einheitliches Längen und Flächenmaß eingeführt. Die General-Landvermessungs-Kommission setzte 1755 fest:

 

1 Morgen = 120 Quadratruten

1 Rute = 16 Fuß oder 8 braunschweigische Ellen

 

Erst durch die Maß- und Gewichtsordnung vom 30. März 1837 wurden geeichte Maße im gesamten Herzogtum eingeführt. Sie beruhten auf den in Frankreich bereits eingeführten und dort geeichten Einheitsmaßen, dem Pariser Fuß zu 12 Pariser Linien. Und im Jahre 1869 gab das Braunschweig-Lüneburgische Staatsministerium  bekannt, wie die alten braunschweigischen Maße und Gewichte des Jahres 1837 in das neue System zu überführen sind

 

1 Quadratfuß     =                               =         0,081432 Quadratmeter

1 Quadratrute    =                               =       20,84652   Quadratmeter

1 Feldmorgen   = 120 Quadratruten   =   2501,582       Quadratmeter

1 Waldmorgen  = 160 Quadratruten  =   3335,443       Quadratmeter

1 Himten            = ½ Morgen              =   1250,7699    Quadratmeter

1 Hufe                = 30 Morgen = ca. 7,5 ha = 37524      Quadratmeter

-RZ-

Flecken

Der Flecken ist ein kleiner offener Ort, der etwas größer war als ein Dorf. Vereinzelt besaßen sie Stadtrechte. Sie wurden auch Markflecken oder Marktflecken genannt, wenn sie Markrechte besaßen.

-RH

Freistaat Braunschweig

 Er existierte von 1919 bis 1946, formal auch in der NS-Zeit.

Fülle, Fölle

Fülle ist eine Stelle zum Wasserschöpfen an einem Fluss oder Bach.

Z.T. waren dort Holzstege, manchmal sogar zwei Holzstege für Niedrig- und Hochwasser.-RZ-

Futtergeld

Die Gemeinde musste jeweils zu Ostern für jedes Pferd und für jede Kuh ein Futter- und Kuhgeld zahlen, das sie von den Bauern einzog.-RZs-

Getreidemaße

Die Getreidemaße waren im niedersächsischen Raum sehr unterschiedlich.

Die Maßgefäße (Himten und Scheffel) waren aber einem bestimmten Volumen zugeordnet.

Details in >Lit.3

In Braunschweig wurde 1837 der Himten zu 2316 Braunschweiger Kubikzoll = 31,145l festgelegt.

-RZ-

Gewann

Ein „Gewann“ war ursprünglich ein aus dem Urwald durch Rodung gewonnenes Feld, das unter den Bauern aufgeteilt wurde. In der GLV war eine Wanne nur ein Nummerierungsbezirk, der sich zwar räumlich an die alten Gewanne anlehnte, aber nicht völlig identisch sein musste. Die „Lose“ hatten damit nichts zu tun. Die Neuverteilung des Besitzes erfolgte allerdings durch Verlosung. Seit den Separationen im 19. Jh. änderten sich die Grenzen der Gewanne ständig und verloren damit ihre ursprüngliche Bedeutung. Heute teilt man eine Gemarkung nur noch nach Fluren ein.-RZs-

Gewichte

Bis ins 19. Jh. gabe es keine einheitlichen Maße. 

Erst durch die Maß- und Gewichtsordnung vom 30. März 1837 wurden geeichte Maße im gesamten Herzogtum eingeführt. Sie beruhten auf den in Frankreich bereits eingeführten und dort geeichten Einheitsmaßen, dem Pariser Fuß zu 12 Pariser Linien. 1868 führten die Staaten des Norddeutschen Bundes das inzwischen entwickelte und in Frankreich bereits gültige metrische System ein. Und im Jahre 1869 gab das Braunschweig-Lüneburgische Staatsministerium  bekannt, wie die alten braunschweigischen Maße und Gewichte des Jahres 1837 in das neue System zu überführen sind.

 

1 Schiffslast               = 4000 Pfund            =    1,870844 Tonnen

1 alter Zentner            = 100 Pfund              =  46,7711     Kilogramm

1 Zentner                    = 100 Pfund               =  50               Kilogramm

1 Zollpfund                                                     = 500              Gramm

1 altes Pfund             = 32 Lot                      = 467,711      Gramm

1 Neu-Lot                   = 4 Quentchen            =  50              Gramm

1 Lot (alt)                   = 4 Quentchen            =   14,6116    Gramm

1 Post-Lot                  = 1/30 Zollpfund         =   16,67        Gramm

1 Quentchen              =                                  =     3,6540    Gramm

1 Karat Juwelengewicht                               =     0,205894 Gramm

Großkothof oder Vollköterhof

Zu einem Großkothof gehörten ursprünglich etwa 1 Hufe = 30 Morgen Land. Er wurde von einem Großkotsassen bewirtschaftet. Schon im 17.Jh. hatten Großkotsassen etwa 2 bis 5 Pferde, ähnlich den Halbspännern. Der Name Großkotsasse taucht zum ersten Male in der Schatzordnung des Herzogs Friedrich-Ulrich von 1619 auf.-RZ-

Grundherren

Die ländliche Verfassung unserer Gegend beruhte auf der Grundherrschaft. Die Grundherren der bäuerlichen Äcker, der Höfe und zumeist auch der darauf stehenden Gebäude waren der Landesherr (der Fürst), der Adel, die höhere Geistlichkeit, Stifte, Klöster, Abteien, Kirchen, auch Bürger, vor allem Patrizier in den Städten. Die Bauern mussten gegenüber diesen Grundherren, die auch „Gutsherren“ genannt wurden, eine fortdauernde und weitgehende Verpflichtung zu Diensten (à Hand- und Spanndienste) und Abgaben aller Art, vor allem an Getreide, übernehmen.

Wie die Grundherrschaft entstanden ist, bleibt noch ungewiss.

-RZ-

Grundherrschaft

Die Grundherrschaft bestand zunächst nicht aus zusammenhängendem Grundbesitz, sondern zumeist aus Streubesitz, der für die germanische Grundherrschaft wohl von Anfang an charakteristisch war. Dieser gestreute Grundbesitz bildete sich vor allem in fränkischer Zeit (nach 800) unter Zurückdrängung der wirtschaftlich selbständigen Bauern immer mehr aus: Durch Schenkungen der Könige an die Kirche, an Abteien, Stifte, Klöster und an Genossen, die dem Fürsten zur Gefolgschaft verpflichtet waren. Auch kleiner Grundherren stifteten oft große Teile ihres Grundbesitzes an geistliche Institute. Lagen die Besitzungen nicht allzu weit auseinander, so schuf man gern einen Haupthof mit vier oder mehr Hufen Land, der dann einem Meier übergeben wurde. Dieser Meier, villicus genannt, hatte neben der landwirtschaftlichen Besorgung des Ackerhofes auch die Abgaben der kleineren Landbesitzer desselben Grundherren in der Nähe zu erheben und die Aufsicht über sie zu führen. Diese einem Meierhof zugeordneten kleineren Höfe nennt man Litonenhöfe. Die Hörigen einer solchen Genossenschaft mussten die Haupthufen in der Frone bestellen und von ihrer eigenen Lathufe (etwa 4 bis 30 Morgen Land), die sie daneben selber bestellten, auch einen Zins entrichten, zumeist Naturalien. Sie hatten das Recht auf erblichen Besitz ihres Latgutes und konnten sich nur schwer davon entfernen. Sonst bewirtschaftete der Late sein kleines Bauerngut selbständig und lebte von dem bescheidenen Überschuss mit seiner Familie.

Diese Art der Organisation nannte man Villication. Die Villicationen wurden aber langsam wieder aufgelöst, sich hatten sich wohl nicht bewährt, denn es gab wohl häufiger Streit zwischen den Laten und den Meiern und auch zwischen Meiern und Grundherren. Die Villication wurde durch das -> Meierrecht abgelöst.

-RZ-

Hagen

Hagen ist ein eingefriedetes Feld- oder Grundstück, aber auch Grenzhecke, Dornzaun, Busch, Hain, Gehölz.-RZs-

Halbspännerhof, Halbmeierhof

Halbspänner besaßen etwa 22 Hufen = 60 Morgen Land und ein halbes Gespann, also 2 Pferde. Später (im17.Jh.) haben viele Halbspänner schon 4 bis 6 Pferde.-RZ-

Hand- und Spanndienste

Die Hand- und Spanndienste gehörten neben dem Zehnten jahrhundertelang zu den drückenden Lasten, die der Bauer zu tragen hatte.

Mit dem Regierungsantritt von Herzog Heinrich dem Jüngeren werden die Dienste erhöht. Erfordert 1533 zum ersten Male den eintägigen Wochendienst. Allmählich wurde dann der zweitägige Wochendienst für die meisten allgemein.

Im Reglement von 1722 heißt es dann, dass Ackerleute oder Bürgermeyer zwei Tage, die Halbspänner einen Tag, die Kothleute zwei Tage wöchentlich, die Brinksitzer aber nur einen Tag und die eingemieteten Häuslinge einen halben Tag zu dienen haben. Nicht abverlangte Hand- und Spanndienste wurden im allgemeinen durch ein Dienstgeld an den Berechtigten, also hier an das herzogliche Amt, sonst an die geistlichen Institutionen, die Ritter oder an den Rat der Stadt abgegolten, je nachdem, welcher von diesen Herrschaften der Dienst zustand.

Herrendienst musste dabei nicht etwa nur für den Ackerbau geleistet werden, sondern auch für Schiffbau, für Brennholzfuhren im Winter, für Fahren von Steinen, Kalk, Sand und Mergel. Das alles aber im Rahmen der üblichen Wochendienste. Zusätzlich finden wir dann noch wenige Dienst-Tage im Jahr zum Burgfesten. Das sind vor allem Baudienste für das Instandhalten der herrschaftlichen Gebäude im engeren und weiteren Sinne.

Die Verpflegung an solchen Dienst-Tagen liefert die Herrschaft.

-RZ-

Hei, Hey

 Hei ist ein eingehegtes, aber auch nicht eingehegtes Waldstück, besonders zur Holzkohlengewinnung ohne Weideberechtigung.-RZs-

Hof

In der Regel das eingehegte Wirtschaftsgrundstück (Hofstelle) eines landwirtschaftlichen Betriebes, aber auch allgemein eingefriedigter Raum (Garten, Grashof, Immenhof , Eickhof u. a., der auch am Ortsrand liegen kann).-RZs-

Hofbezeichnungen und Hofbesitzer

 Die Hofbesitzer gliederten sich in verschiedene „Klassen“, die entweder nach altem Herkommen oder durch spätere Festsetzungen entstanden.

Meier- und Kotsassenhöfe (im Braunschweigischen i. d. R. als „Köter“ bezeichnet) waren ursprünglich Begriffe für Höfe, die bestimmte Funktionen im Rahmen des Lehnswesens wahrzunehmen hatten. Ein Meier (villicus) war im frühen und hohen Mittelalter, d. h. bis in das 13. Jh., der Leiter einer Villikation, d. h. eines Wirtschaftsverbandes mit einem Herrenhof (Villikationshof, Fronhof) als Zentrum, der andere Höfe und Flächen in einer oder mehreren Gemarkungen in der Regel mit Hilfe von Kothöfen bewirtschaftete. Kothöfe können daher in einem Dorf älter als Meierhöfe sein. Die erste Erwähnung eines Kothofes im Braunschweiger Land stammt von 1106. Die Villikationen haben sich letztlich nicht bewährt. Sie wurden daher aufgelöst und die einzelnen Höfe als Meierhöfe, Halbmeier-/Halbspännerhöfe oder Kothöfe (Kotsassenhöfe) je nach den Rechten und Pflichten, die die Grundherren den Höfen zuwiesen,  „ausgetan“, d. h. verlehnt oder vergeben („vermeiert“). Im Laufe des Mittelalters brachten die Grundherren ihre Bauern  immer stärker in Abhängigkeit. Die Zuordnung wurde nun zu einer reinen Rechtsform der Vergabe, d. h. vor allem für die Einstufung in die Abgabenklassen, die natürlich in erster Linie von der Größe der Höfe, aber auch von alten Rechten abhingen. Die Begriffe Meier und Halbmeier wurden deshalb seit dem 16. Jh. durch die Begriffe Ackermann und Halbspänner abgelöst. Meier konnten nun z. B. „abgemeiert“, d. h. von Haus und Hof vertrieben werden, wenn sie ihren Pflichten nicht nachkamen. -RZs-

Hofzins

-> Meierzins

Hohlmaße

Erst durch die Maß- und Gewichtsordnung vom 30. März 1837 wurden geeichte Maße im gesamten Herzogtum eingeführt. Sie beruhten auf den in Frankreich bereits eingeführten und dort geeichten Einheitsmaßen, dem Pariser Fuß zu 12 Pariser Linien. 1868 führten die Staaten des Norddeutschen Bundes das inzwischen entwickelte und in Frankreich bereits gültige metrische System ein. Und im Jahre 1869 gab das Braunschweig-Lüneburgische Staatsministerium  bekannt, wie die alten braunschweigischen Maße und Gewichte des Jahres 1837 in das neue System zu überführen sind

 

1 Malter Holz            = 80 Kubikfuß             = 1,85900 Kubikmeter

1 Wispel                   = 40 Himbten              = 1,24579 Kubikmeter

1 Faß Bier                = 104 Stübchen     = 390             Liter

1 Fäßchen                = 9 Krug  = 36 Ort  =   50             Liter

1 Oxthoft                   = 240 Quartier        = 224,84250 Liter

1 Ohm                       = 160 Quartier        = 149,89500 Liter

1 Scheffel                 = 4 Himbten            = 124,57908 Liter

1 Scheffel                   (20 Scheffel ca 8 dz)

1 Tonne                     = 108 Quartier        = 101,17913 Liter

1 Anker                      = 40 Quartier          =   37,47375 Liter

1 Himbten = 4 Vierfaß = 2316 Kubikzoll =   31,47375 Liter

1 Vierfaß            = ¼ Himbten= 16 Metzen  = 7,78619 Liter

1 Metze                      = 1/16 Himbten           = 1,94655 Liter

1 Quartier                                                        = 0,93684 Liter

1 Fuder                       = 78 Himbten

-RZ-

Hufe

 Eine Hufe war ursprünglich eine Besitzeinheit mit allen Reiherechten und erst später eine Rechnungsgröße, die je nach der Güte des Bodens und aus sonstigen Gründen von Dorf zu Dorf unterschiedlich groß sein konnte. Erst ab dem 16. Jh. setzten die Fürsten Normen für die Größe einer Hufe, die aber ebenfalls nicht einheitlich waren. Seit der 2. Hälfte des 18. Jhs. wurde eine Hufe oft mit 30 Morgen angesetzt, wobei aber zu berücksichtigen ist, dass bis in das 19. Jh. hinein auch ein Morgen von Dorf zu Dorf, ja sogar innerhalb einer Gemarkung unterschiedlich groß sein konnte. -RZs-

Kamp

In der Regel ist Kamp Ackerland, das oft erst spät aus dem Wald (Rodeland) oder Anger gewonnen wurde und daher durch Hecken, Gräben oder Wälle eingefriedigt war (im Gegensatz zum Feld). Sehr häufig gehören Kämpe nur einem Besitzer, das muss aber nicht sein. Seit der Mitte des 17. Jhs. wird jede größere Besitzparzelle mit Kamp bezeichnet, ohne Rücksicht darauf, ob sie eingefriedigt ist oder nicht.-RZs-

Kommende

Deutschordenskommende Lucklum am Elm besteht seit der Mitte des 13. Jh. Bis 1809 war die Kommende Mittelpunkt des geistlichen Deutschen Ritterordens.

-RH-

Koppel, Koppelweiden

1. (Selten) großer einheitlicher Ackerplan.

2. Eingezäunte Weide.

3. Koppelweiden: Von mehreren Besitzern oder Gemeinden gemeinschaftlich genutztes Weideland, besonders in Wäldern, auf Ängern und abgeernteten Äckern. Die Koppelweiden wurden in den Separationen des 19. Jhs. aufgelöst.-RZs-

Kote, Kate

Kote, Kate bedeutet Kleines Haus, Hütte.

Kotsasse

Kot kommt von Kate, Kote, und bedeutet soviel wie ein kleineres Haus, ein kleines Gehöft. Die Kotsassen hatten meistens nur eine Hufe oder wenige Morgen oder gar kein Land. Nach der landesherrlichen Verordnung von 1688 durften sich Kotsassen kein Pferd halten, wenn sie weniger als 5 Morgen Land hatten.

 

Häufig wird auch unter Kotsasse und Großkotsasse unterschieden. Großkotsassen hatten meistens eine Hufe Land, also 30 Morgen.

-RZ-

Kriegsfuhren

Alle Bauern mussten im Kriegsfalle Fuhren fahren, die Kotsassen halb soviel wie die Ackerleute und Halbspänner.-RZs-

Küchentermin

Die Gemeinde zog von jedem Hauswirt jährlich eine bestimmte Anzahl Hühner, alle 2 Jahre Gänse und alle 3 Jahre 1 Kalb für den Grundherrn ein. Die Leistung wurde im Laufe der Zeit durch Geldleistungen ersetzt. -RZs-

Kuhgeld

->Futtergeld

Kulk

Kulk bezeichnet eine relativ kleine Vertiefung in einem Fluss, Moor oder einen kleinen See, in dem sich Wasser sammelt.

-RZ-

Lange Stücke

Lange Stücke sind Ackerflurstücke von oft 200 – über 1000 m Länge und sehr schmaler Breite (Langstreifenflluren). Sie gehören häufig zu den ältesten Feldfluren.-RZs-

Längenmaße

Die Längen-, Hohl- und Gewichtsmaße waren bis ins 18. Jh. nicht einheitlich genormt. Erst durch die Maß- und Gewichtsordnung vom 30. März 1837 wurden geeichte Maße im Herzogtum Braunschweig eingeführt. Sie beruhen auf den in Frankreich bereits eingeführten und dort geeichten Einheitsmaßen, dem Pariser Fuß zu 12 Pariser Linien.

 

1 Pariser Linie    = 1/12 Pariser Zoll                    =    1,98168 Millimeter

1 Zoll              = 1/12 Pariser Fuß                        =    2,378    Zentimeter

1 Werkfuß       = 126,5 Pariser Linien = 12 Zoll   =  28,536     Zentimeter

1 Rheinischer Fuß                                               =   26            Zentimeter

1 Elle               = 2 Werkfuß                                =  57,072     Zentimeter

1 Rute             = 16 Werkfuß                              =    4,56576  Meter

(bei der Feldvermessung wurde die Rute dezimal geteilt 1 R= 4,565798 m)

1 Lachter        = 80 Zoll zu 8,5 Linien                 =    1,91926  Meter

1 Haspelfaden = 3 3/4 Ellen                               =    2,14022  Meter

1 Gebinde       = 90 Faden                                = 192,62         Meter

1 Lop Garn      = 10 Gebinde                             =    1,9262     Kilometer

1 Meile            = 1625 Ruten                             =   7,419422  Kilometer

 1 Braunschweiger Elle                                      = 57,072        Zentimeter

   (vorgeschriebenes Längenmaß für den Marktverkehr mindestens seit

    dem 16.Jh.)

Late

Liten, Laten, Lassen, in fränkischer Zeit bei den Franken und niederdeutschen Stämmen Halbfreie, die meist rechtsfähig, aber dienst- und zinspflichtig und an die Scholle gebunden waren. Sie gingen seit Ende des 9. Jh. in der Gruppe der Hörigen auf. Häufig waren es später Kotsassen mit nur geringem Ackerland (1 Hufe).

 -RZ-

laudenium

Beim Verkauf eines Erbzinsgutes muß das Gut zuerst dem Grundherrn angeboten werden, er besitzt demnach ein Vorkaufsrecht. Macht er davon keinen Gebrauch, so erhält er 2% des Kaufpreises als laudemium (Lehngeld, Entschädigung an den Lehnsherrn).

Legden

Legden:sind brachgefallene und dann meist mit Holz bestandene oder wieder bewaldete ehemalige Äcker oder anderes Nutzland. Häufig in dorfferner Lage oder Land eines wüst gefallenen Dorfes oder Hofes.-RZs-

Lehen

(althochdeutsch lehan, zu leihen); auch Lehn; ein im weitesten Sinne geliehenes Gut, das ein gegenseitiges Treueverhältnis zwischen dem Leihenden und dem Beliehenen begründet.

-RZ-

 

Lehngeld

Seit dem Mittelalter vergab ein Grundherr seinen Besitz in Form eines Lehens an die Bauern. Diese mussten dafür bestimmte Leistungen entrichten, die später in den Meierzins einflossen.  -RZs-

Leibzüchter

Rentner (Leibzuchtshof –Altenteil) Anteil an Garten und Feld.

-RZ-

Majorat

Das Majorat bedeutet bei der Vererbung den Vorzug des höheren Alters vor dem geringeren. -> Anerbenrecht-RZ-

Markgenossenschaft

 Zu ihr gehörten die Bauern, die an der Allmende nutzungsberechtigt waren (Reiheberechtigte). Sie wurden im 19. Jh. abgeschafft und durch die umfassenderen Feldmark- und Forstinteressentschaften abgelöst. 

Marktflecken - Marktdorf

Ein bestimmter Ort, an dem sich Käufer und Verkäufer zu einer festgesetzten Zeit trafen. Um diesen Ort, der häufig an Schnittpunkten der wichtigen Straßen, Fußwegen, Burgen, Klöstern usw. lag, bildeten sich Siedlungen. Diese waren mit besonderen Marktrechten (Marktfrieden) von der Obrigkeit ausgestatten worden (Marktregal). Hieraus entwickelten sich Tages-, Wochen- und Jahrmärkte. Eine solche Siedlung wurde auch als Marktflecken oder Marktdorf bezeichnet.

-RH

Marsch, Masch

Die March ist eine Niederung, niedrig gelegenes nasses Wiesen- und Weideland.-RZs-

Meier(hof)

Meier war die Person, der nach dem -> Meierrecht vom Gutsherren die Bewirtschaftung eines bäuerlichen Anwesens, das sog. Meiergut für eine gewisse Zeit überlassen wurde.

Mit Rücksicht auf die Zugehörigkeit zu verschiedenen Grundherren gebrauchte man bis ins 19. Jh. hinein die Bezeichnungen

wie Cammermeier (herzogliche Kammer als Grundherr), Kirchenmeier, Klostermeier, Pfarrmeier und Bürgermeier, auch Burgmeier (Grundherr war  Bürger einer Stadt , zumeist Patrizier).

-RZ-

Meierrecht

Das Meierrecht löst die-> Villication ab. Wann dies genau geschehen ist, ist unklar.

Die Überlassung solcher Bauerngüter vom >>Grundherren an der Meier nannte man meierweise austun. Der wahre Eigentümer des Meiergutes blieb der Grundherr(Gutsherr) und an ihn hat der Meier die jährlich immer wiederkehrenden Abgaben vor allem an Feldfrüchten zu leisten. Jede Veränderung in der Substanz des Hofes, meist auch der Gebäude, bedurfte der Genehmigung des Grundherren. Der Meier besaß keinerlei Verfügungsrecht über den von ihm bewirtschafteten Hof.

Zu diesem Zwecke des meierweisen Austuns wurden Urkunden ausgestellt, die sogenannten Meierbriefe. Nach einer in dem Meierbrief angegebenen Frist fiel das Meiergut wieder an den Grundherren zurück, der es dann wieder an eine andere Person meierweise austun konnte. Häufig blieb der Grundherr beim weiter vermeiern beim gleichen Meier oder nach dessen Tod vermeierte der Grundherr an dessen Sohn oder Enkel. In diesem Falle mussten die Erben des Meiers    für die weitere Überlassung des Hofes dem Grundherren ein Opfer bringen, das von der Willkür des Grundherren abhängig war. Praktisch war es dem Grundherren möglich, dem Erben auch das letzte Nachlassstück abzunehmen. Man nannte dies Baulehnung und Baulebung (buwlenige und buwdelinge, was eigentlich von mittelhochdeutsch budelen , d.h. den beweglichen Nachlaß mit dem Herrn teilen stammt. Der Grundherr nahm sich auch das Besthaupt , nämlich das beste Stück Vieh aus dem Stall (Pferd, Kuh oder Schwein oderz.B. das beste Gewand.

Wollte ein Bauer heiraten, so bedurfte er, da er Unfreier war, der Zustimmung des Grundherren, der seine Erlaubnis nun wieder von einer besonderen Heiratsabgabe, dem >>Bedemund (beden=bitten) abhängig machte.

Starb ein Meir ohne Erben, so fiel der Meierhof an den Grundherren zurück. Wenn der Meier versäumte nach 9 Jahren  um eine erneute Bemeierung nachzusuchen oder wenn er mehrere Jahre nicht den Meierzins zahlte oder gar Teile des Meiergutes veräußerte, konnte ihm der Hof genommen werden (Abmeiern). Konnte der Grundherr „Eigenbedarf“ anmelden, war Abmeiern aber nur nach Gerichtsbeschluß möglich.

Mit dem Receß vom 17. Mai 1433 veranlasst durch Herzog Heinrich den Friedsamen werden die Rechte der Bauern gegenüber den Grundherren gestärkt. Mit diesem Receß wurde die Leibeigenschaft im Herzogtum Braunschweig praktisch aufgehoben. Im Todesfall des Meiers konnte der Grundherr z.B. nur das Zweitbest nehmen. Der Opens internal link in current windowBedemund wurde auf eine mindere Höhe beschränkt.

Die Rechte des Meiers wurden später durch die Polizeiverordnung vom Januar 1563 von Herzog Heinrich dem Jüngeren weiter gestärkt. Insbesondere wurde die Laufzeit der Meierbriefe von 6 auf 9 Jahre verlängert und bei der neuen Bemeierung durfte der Meierzins nicht erhöht werden. Auch die Landtagsabschiede von 1597 und 1601 unter Herzog Heinrich Julius weiten den Schutz der Bauernschaft weiter aus.

Das Meierecht wurde mit der Separation beendet.

-RZ-

 

 

Meierzins, Hofzins

 Er wurde teils in natura (Roggen, Gerste und Hafer) und teils in Geld, oft in unterschiedlicher Höhe, an den Grundherrn gezahlt.

Moor

Unter einem Moor versteht man  ein nasses, sumpfiges Gelände, auch Schlamm, Schmutz, nicht unbedingt ein Niederungs- oder Hochmoor.-RZs-

Morgen

Ein Morgen war ursprünglich eine Flächengröße, die von Dorf zu Dorf und sogar innerhalb einer Gemarkung unterschiedlich groß sein konnte. In der 2. Hälfte des 18. Jhs., im Herzogtum Braunschweig im Zuge der Generallandesvermessung, setzten die Fürsten gewisse Normen, die aber im Deutschen Reich immer noch unterschiedlich waren und noch nicht auf allgemein gültigen und festen Längenmaßen beruhten. Erst durch die Maß- und Gewichtsordnung vom 30. März 1837 wurden geeichte Maße festgesetzt. 1868 führte schließlich der Norddeutsche Bund und 1869 das Herzogtum Braunschweig einheitliche Maße im metrischen System ein. Seitdem galt: 1 Feldmorgen =  2501,582 m2 und 1 Waldmorgen = 3335,443 m2.

->Flächenmaße

-RZs-

Münzen, Währung

Die Währungen in Deutschlands Vergangenheit sind schwer zu überschauen. Ebenso ist eine Umrechnung der damaligen Werte in mit heute vergleichbaren nur unter größtem Aufwand für die jeweiligen Zeiten und Orte möglich. Die Einkommensverhältnisse, die Lebensbedingungen und bedürfnisse waren in den vergangenen Jahrhunderten völlig anders als heute. Hier eine grobe Zusammenstellung der wichtigsten Währungen und Münzen:

9. – 14 Jahrhundert

Die Leitwährungen waren Mark und Pfennig (lateinisch: denarius). Die Münzen waren Silbermünzen unterschiedlichen Gewichts, die aus „einer Mark lötigen Silbers“

Geschlagen wurden, und unter lötigem Silber verstand man Silber mit einem bestimmten vorgeschriebene Silbergehalt:

1 Mark             = 16 Lot

1 Lot               = 16 Pfennig

1 Pfennig             = 19 Ass

 

14.-19. Jahrhundert

 

Ab dem 14. Jahrhundert wurde die Silberwährung (Mark, Pfennig) durch die Goldwährung (Gulden) abgelöst. Es gab in Deutschland wieder viele Guldenprägungen von sehr unterschiedlichem Wert Da bereits 1252 der erste Goldgulden aus Florenz kam, der sogenannte Florentiner, verwendete man bald die Abkürzung FL für Gulden oder Floren. Seit dem 16. Jahrhundert setzten sich der Mariengroschen (MG) und der Fürstengroschen (Gute Groschen) durch. Der Name Groschen stammt von grossus denarius gleich dicker oder großer Pfennig.

Seit dem 15./16. Jahrhundert stand neben der Goldwährung wieder eine Silberwährung (Taler), die ihren Namen von der böhmischen Münzstätte Joachimsthal bekam. In Braunschweig wurde der erste Taler 1531 geprägt. Der Reichsthaler (Rth) wurde die Leitwährung ab Mitte des 16. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Er war ebenfalls in Groschen und dieser in Pfennige unterteilt.

 

1 Taler                        = 24 Gute Groschen             = 288 Pfennige

1 Gute Groschen                                                     =   12 Pfennige

1 Taler                        = 36 Mariengroschen           = 288 Pfennige

1 Mariengulden         = 20 Mariengroschen

1 Mariengroschen                                                     =   8 Pfennige

 

1837 wurden im Braunschweiger Land die Münzen und 1869 deren Gewicht festgesetzt:

 

1 Mark Münzgewicht = 256 Pfennig       = ½ Pfund = 16 Lot

= 64 Quentchen = 288 Gran = 4864 Ass   = 233,855 Gramm

 

1 Quentchen              = 4 Pfennig                   =  3,654        Gramm

1 Pfennig                   = 19 Ass                       =   0,913496 Gramm

1 Ass                                                               = 48,07874   Milligramm

1 Unze                        = 8 Drachmen              = 29,232        Gramm

1 Drachme                = 3 Skrupel                    =   3,654        Gramm

1 Skrupel                   = 20 Gran                     =   1,218        Gramm

1 Gran                                                            = 60,9            Milligramm

 

 

1871 wurde durch die Reichsmünzreform die Mark zu 100 Pfennigen eingeführt: 1 Reichsthaler = 3 Mark.

 -RZ-

Münzfuß

Der Münzfuß ist die Anzahl der Münzen, die aus einer bestimmten Gewichtseinheit, in der Regel aus 1Kg Feingold, geprägt wird. Die für die Festigkeit der Münzen notwendige Beimengung anderer Metalle ist ebenfalls geregelt. Im Dt. Reich wurden bis 1914 aus 1kg Feingold 279 Münzen zu je 10 Mark geschlagen.-RZ-

Münzwardein

Wardein aus mlat. guardianus- Aufsichtsführender-, Münzwardein war im MA. der für die Prüfung von Feinheit und Gewicht der Mpnzen verantwortliche Aufseher über die Münzstätte. Er war auch oft Bergbeamter.-RZ-

Nachtwächter

Carl I. verordnete 1763 auf den Dörfern eine "Riege-Wachte", das ist eine Nachtwache der männlichen Gemeindemitglieder, die sich nacheinander ablösen, um die allgemeine Sicherheit auf dem Lande zu heben und Übeltaten abzuwehren.

-> Wachtegeld

Niederdeutsches Hallenhaus
Pfuhl

Der Pfuhl ist eine sumpfige Bodensenke, Schlamm, kleines Wasserloch, zumindest in niederschlagsreichen Zeiten mit schlammigem Wasser gefüllt.-RZs-

Prieche

Erhöhung in der Kirche - Empore.-> Grimmsches Wörterbuch

-RZ-

Proviantgeld, Provianthafer

Abgaben an den Landesherren. -RZ-

Rauchgut, Rauchhuhn

Abgabe der Gemeinde an das Herzogliche Amt. (Ursprünglich nur von Höfen, in denen ein Schornstein rauchte).

Beispiele: Stöckheim jährlich 5 Gänse, 70 Hühner, 4,5 Schock Eier

                 Geitelde: 99 Hühner

-RZ-

Realteilungsrecht

Das Erbe an einem Hof wurde unter den Nachkommen aufgeteilt. Dieses Recht gilt heute noch in weiten Teilen Süddeutschland und z.B. im Eichsfeld.

-> Anerbenrecht                                                                                      -RZs-

Receß 1433 Aufhebung der Leibeigenschaft

 

Mit dem Receß (Vertrag) Herzog Heinrich des Friesamen (des Älteren)

 

vom 17. Mai 1433 wurde im Braunschweiger Land die Leibeigenschaft aufgehoben. Insbesondere waren folgende Punkte von Bedeutung:

  1. Wegfall der Baulehnungen (Anteile, die dem Grundherrn am Nachlaß seines Hörigen zustanden) und Wegfall der Baudelinge (beweglicher Nachlaß mit dem Grundherrn teilen)
  2. Herzog und Stände sollen von ihren Eigenleuten und Laten zum Bedemund (Heiratsabgabe) nicht mehr nehmen, als von alters hergebracht ist.
  3. Von den Erben eines Leibeigenen soll kein höheres Mortuarium (Abgabe im Todesfall) genommen werden, als das Zweitbest. Vor 1433 war das das Besthaupt.
  4. Freie Leute, die im Lande wohnten, sollten bei ihren Rechten belassen werden und von Bedemund und Baulebung frei sein.
  5. Alle Fremden, die ins Land ziehen, sollen die Rechte freier Landsassen genießen.

-RZ-

Reiheberechtigte

Die Höfe eines Dorfes, auch Reihehöfe oder Reihehäuser genannt, besaßen eine Teilnahmeberechtigung an der Allmende, dem gemeinschaftlichen Gut der Dorfgemeinschaft. Dazu zählten Wiesen. und Weideflächen, Dorfanger und , so vorhanden, Wald. Bei der Separation wurde die Allmende auf die Reihehöfe aufgeteilt. Teile der Rechte gingen auf die Feldmarksgenossenschaften und Forstgenossenschaften über.-> Markgenossenschaft

-RZ-

Reliquie

Es sind Dinge, die in enger Beziehung zu Heiligen der katholischen Kirche gestanden haben. Dabei kann es sich um direkte oder angebeliche Körperüberreste oder um Kleider, Marterwerkzeuge usw. handeln. Die Reliquie oder auch mehrere werden in z. T. kostbaren Reliquiaren aufbewahrt.

-RH-

Remen

 Ein Remen ist ein schmaler Landstreifen, oft am Rand eines Flurstücks. Die Grundbedeutung ist Rand, Einfassung, Rahmen.-RZs-

Rescript

Anordnung - Verordnung

-RZ-

Riede, Rie, Riehe

Eine Riede ist ein kleiner Bach, Wasserlauf, Rinnsal (im Gegensatz zu Beke = größerer Bach).-RZs-

Risch

Risch bedeutet Schilf, Binse.-RZs-

Schäfereigerechtigkeit

Die Schäfereigerechtigkeit ist die Befugnis, die eigenen Schafe auf fremden Grundstücken weiden zu lassen. Die Schafe wurden nicht nur auf den Gemeindeängern geweidet, sondern auch auf Feldern (und z.T. auch abgemähten Wiesen) nach der Ernte und vor der Aussaat. Dazu mußte jeder sein Ackerstück ebenso wie bei der Hütung der übrigen Herden frei zur Verfügung stellen. Dasselbe galt auch für das Brachland. -RZ-

>Lit.2,S81

Schafsschatz

Die Gemeinde hatte für ihre Gemeindeschäferei eine bestimmte Steuer an den Landesherrn zu zahlen. In der GLV heißt es zu Geitelde unklar: „Es wird nur der gewöhnliche entrichtet.“-RZ-

 

Schwad

Ein Schwad ist eine Reihe gemähtes Gras.

Separation

In der Agrargeschichte die Auflösung der genossenschaftlichen Wirtschaftsweise; in Deutschland im 18. und frühen 19.Jh. besonders die Aufteilung der Allmende an den bisher Nutzungsberechtigten ; Aufhebung der Gutsherrnschaft und nach Ablösung durch die Nutzungsberechtigten Übertragung des Grundeigentums und der Gebäude an diese.

-RZ-

Stabrecht

Das Stabrecht ist das Recht einer Person, wonach jeder andere, der sich Schafe hält, diese mit der Herde des Schäfereiberechtigten austreiben lassen muss.  D.h. jeder Besitzer von Einzelschafen muss diese in die Herde des Schafberechtigten, des Schafmeisters geben.  Dieser hält sich dafür einen Schäfer, der auch von ihm besoldet werden muß.  Der Stabherr hat das Recht auf den Schafdünger, das mit dem Pferchrecht verbunden ist.

Schafdünger war sehr begehrt.  Im allgemeinen darf der Ackermann das Hürdelager (bei dem sein Feld gedüngt wurde) doppelt soviel Nächte auf seinem Acker behalten als der Kotsasse.  Diese Bedüngung musste aber vom Besitzer des Ackers an den Stabberechtigten bezahlt werden.-RZ-

->Lit.2, S.81

 

 

 

Stremel

Ein Stremel ist ein schmales Landstück.-RZs-

Stück

Unter Stück versteht man einen Besitz- oder Ackerstreifen. Es ist ein älterer Begriff für Flurstück. -RZs-

Taxatoren

 Ackergüteklassen

Vierständerhaus
Villication

siehe Erbzinsrecht

-RZ-

Wachtegeld

Wachtegeld ist eine Abgabe anstelle des ursprünglich persönlich zu leistenden Wachtdienstes, den die Gemeinde von jedem Hauswirt ohne Unterschied  in jedem Jahr einzog.

-> Nachtwächter

Wasen

Wasen sind Brennholzknüppel, Lesebrennholz, Stangenholz oder Reiser.-RZs-

Wehen, Wiede, Wichel

Es handelt sich um ein Bindematerial, Strick, Strang das aus Weidenbast oder -ruten hergestellt wurde. Weide(Salix).-Rzs-

Wöhrden, Wort(h)

Wort(h) ist der Standort eines Gehöftes oder Gartens. -RZs-

Wölbäcker, Hochacker

Wölbäcker sind in der Regel etwa 1-2 Ruten breite, zur Mitte hin aufgewölbte Ackerbeete des (vielleicht noch) späten Mittelalters und der frühen Neuzeit. Sie setzen den Beetpflug voraus und bewirken eine bessere Entwässerung der Ackerstreifen. Sie entstehen durch das Hochpflügen des Ackerbodens zur Mitte des Ackerbeetes hin.-RZs-

Zehnt

Der Zehnt war ursprünglich eine rein kirchliche Abgabe, die später aber weiter verlehnt wurde                                                

großer Zehnt auch gemeinsamer Zehnt von mehreren Zehntherren                                                  

kleiner Zehnt            alleiniger Zehnt eines Zehntherren     

Die Bauern mussten u. a. jede zehnte Garbe (Fruchtzehnt) und jedes zehnte Jungtier (Fleischzehnt: Fohlen, Kälber, Ferkel, Lämmer, Gänse, Hühner, Bienen) an den Zehntherrn abliefern.

                                                         

Das Auszehnten geschah durch den sog. vereidigten Zehntmaler nach der Ernte.

Aus diesem Anlaß musste das Getreide in Stiegen aufgestellt werden und der Zehntmaler behielt den Zehnten ein.

 

-RZ-

Zehntherr

Zehntherr>> Abgaben

 

Zweiständerhaus